Ein Zuhause für Bienen
10.12.2009 | Porträt | Biene, Holz, Imker, Schreiner, Tier, VSSM 
Für Urs Fellmann war sofort klar, dass er beim Bau der Wildbienenhotels am Gotte-Götti-Tag des VSSM mitmachen würde. Denn der Präsident der VSSM-Regionalsektion Sursee ist nicht nur engagierter Schreiner, sondern auch passionierter Imker.
An dieser Aktion im vergangenen Frühling sind in seiner Werkstatt insgesamt 50 Hotels entstanden: «Der Anlass war ein voller Erfolg und die Leute schwärmen noch heute davon. Noch immer kriege ich Rückmeldungen auf diesen Tag und es haben sich daraus auch konkrete Aufträge ergeben.»
So emsig das Treiben damals in seinem Betrieb war, so beschäftigt waren zu dieser Zeit auch seine 25 Bienenvölker. Denn von März bis Mai fliegen die Bienen von Blüte zu Blüte und sammeln den wertvollen Nektar ein. Für ein einziges Kilogramm Honig braucht es dreimal so viel Nektar. Das bedeutet für die Bienen 100’000 Ausflüge und das Anfliegen von 150 Millionen Blüten. In dieser aktivsten Jahreszeit wendet Urs Fellmann fünf bis sechs Stunden pro Woche für sein Hobby auf. Im Sommer sind es noch zwei bis drei und im Herbst noch eine Stunde. «Ich schätze an diesen Tieren, dass ich mir die Zeit mit ihnen ziemlich frei einteilen kann. Es gibt nur wenige Termine, die man strikt einhalten muss.» Zu diesen Fixpunkten zählen zum Beispiel das erste Schleudern des Blütenhonigs Ende Mai sowie die Behandlung gegen die Milbe Varroa destructor Anfang August.
Bereits der Vater von Urs Fellmann hatte Bienen. Und so kam es, dass der Luzerner vor 25 Jahren ebenfalls den Grundkurs für Imker besuchte. Begonnen hat er dann aber mit sechs eigenen Völkern. Als Jüngster von insgesamt sechs Geschwistern lebt der 42-Jährige mit seiner eigenen Familie auf dem elterlichen Hof in Mauensee, wo er auch seine Schreinerei eingerichtet hat.
Zwar würden für den Eigengebrauch fünf bis sechs Völker ausreichen, doch selbst mit 25 wird der Luzerner nicht reich: «Wer seinen Honig gut verkaufen kann, deckt damit seine Auslagen für die Zucht, die Produktion sowie den eigenen Bedarf. Aber verdienen kann man damit in der Schweiz nichts.» Diese Tatsache wird mitunter ein Grund dafür sein, weshalb immer weniger Leute Bienen halten. Dies bedauert Urs Fellmann sehr: «Es wäre so wichtig, dass es wieder mehr Bienen gäbe zur Bestäubung von Blüten.»
Entgegen dem üblichen Bild fleissiger Bienen sind nicht alle Völker gleich arbeitsam. Ein Kenner kann leicht Abweichungen im Verhalten ausmachen: «Die Bienenvölker haben einen unterschiedlich ausgeprägten Putztrieb und betreiben auch die Brutpflege verschieden intensiv. Mit gezielter Zucht wird deshalb versucht, diese für das langfristige Überleben wichtigen Eigenschaften zu fördern.»
Unabhängig der Zucht ist allen Bienen gemeinsam, dass sie bereits ab dem 21. Juni, dem längsten Tag im Jahr, an den Winter denken und sich intensiv darauf vorzubereiten beginnen, damit das Volk die kalte, blütenlose Zeit überstehen kann. Sobald die Aussentemperatur in der Nacht zum ersten Mal zwei bis drei Grad unter den Gefrierpunkt sinkt, stellt die Bienenkönigin die Eierproduktion ein. Mit der Winterpause der Bienen wird es auch für den Imker ruhiger. Es kommt die Zeit für Reparaturen und natürlich für den Genuss des feinen Honigs, während draussen der kalte Wind um die Ecken pfeift und die Schneeflocken tanzen lässt.
Quelle: Dieser Artikel ist ursprünglich in der Schreinerzeitung erschienen.
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