Ein sicherer Wert im Hintergrund

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Als frisch ausgelernter Möbelschreiner und leidenschaftlicher Skifahrer ging für Maurus Nann ein Traum in Erfüllung, als er 1973 bei Rossignol als Servicemann einsteigen konnte.

Grosse Rennfahrer der Schweizer Skinationalmannschaft setzten damals auf diese Marke. Darunter Bernhard Russi, Roland Collombin und Walter Tresch. Allerdings war der Nidwaldner nicht unterwegs mit dem Skizirkus: «Ich arbeitete stets in Stans. Die Skis kamen zu mir in die Reparatur und wurden danach wieder verwendet. Die Sportler hatten nicht so viele verschiedene Skis zur Verfügung wie heute.»

Bereits nach einigen Monaten realisierte Maurus Nann jedoch, dass er mit dieser Tätigkeit niemals wirklich glücklich werden würde: «Schlussendlich waren es halt einfach Skireparaturen. Da waren keine eigenen Ideen gefragt.» Dank seinem Schwager Alois Spichtig, Bildhauer und langjähriger Konservator des Museums Bruder Klaus in Sachseln, gelangte er zu einer spannenderen Tätigkeit. Er konnte während eines Jahres das Museum restaurieren. «Diese Aufgabe war eine wichtige Weiche für meine berufliche Entwicklung zum Antikschreiner. Von einer liquidierten Firma kaufte ich danach ein ganzes Lager mit antiken Möbeln auf, die ich nach und nach restaurierte. Der Transport brauchte drei ganze Sattelschlepper, der Kauf fast mein ganzes Vermögen.» Bei der Restauration ist ihm wichtig, dass möglichst viel von der ursprünglichen Substanz erhalten bleibt: «Ich staune immer wieder, wie radikal antike Möbel abgelaugt werden. Mit den alten Farben geht da leider auch der Charakter verloren.»

Schon als kleiner Junge begleitete Maurus Nann seinen Vater, ein Möbelfabrikant, von Bauernhof zu Bauernhof auf der Suche nach schönen alten Nidwaldner Nussbäumen. «So habe ich ein gutes Auge für einheimische Bäume entwickeln können. Und noch heute erinnern sich ältere Landwirte an diese Besuche.»

Seine geschickten Hände und sein Auge für antikes Holz waren auch in seinem Wohnort Beckenried gefragt, als vor 25 Jahren das Theaterstück «Ghajä oder Gschtochä» aufgeführt wurde. Das Stück handelte von der Burgerbruderschaft, die 1609 in Anlehnung an die Nidwaldner Söldnerdienste im Ausland gegründet worden war. Maurus Nann fertigte dafür Requisiten an. Später folgte sein erster Einsatz als Regisseur für die Turnerrevue, ein Unterhaltungsabend des Turnvereins, wo die artistischen Kunststücke gekonnt in eine Geschichte verpackt werden. Und nun führt er auch beim Festspiel an der 400-Jahr-Feier der Burgerbruderschaft Regie. Obwohl der zeitliche Aufwand kurz vor den Aufführung jeweils sehr hoch ist, empfindet der Antikschreiner solche Theaterproduktionen nicht als stressig: «Ich mache das in meiner Freizeit, weil es für mich ein schöner Ausgleich ist zu meiner Arbeit alleine in der Werkstatt. Mir gefällt auch, wenn ich dabei Jung und Alt für eine gemeinsame Sache begeistern kann. Nach dem Ende solcher Projekte habe ich zwar jeweils genug davon. Aber nach einer gewissen Zeit packt es mich dann wieder.» Und so wird Maurus Nann auch bei der nächsten Turnerrevue im Herbst 2011 noch einmal dafür sorgen, dass sich der rote Faden gekonnt durch das ganze Programm zieht. Als sicherer Wert im Hintergrund.

Quelle: Dieser Artikel ist ursprünglich in der Schreinerzeitung erschienen.

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