Verkehrstechnische Visionen im Wandel der Zeit
26.06.2009 | Medienmitteilung | Auto, Credit Suisse Foundation, Luzern, Museum, Verkehr, Verkehrshaus, Zukunft
Rechtzeitig zu seinem 50-Jahr-Jubiläum erstrahlt das Verkehrshaus der Schweiz in frischem Glanz. Die interaktiven Ausstellungen in der neuen Strassenverkehrshalle sind lehrreich und werfen ungewohnte Blicke auf die Mobilität von früher, heute und morgen.
Elegant kurven futuristische Fahrzeuge über die Leinwand. Sie sehen aus wie aufrecht stehende Eier, beräderte Ufos oder faltbare Kartonkisten. Und sie alle präsentieren sich als perfekte Lösung für ein ungelöstes Problem wie enge Parkplätze, verstopfte Strassen oder überforderte Menschen. Doch sie existieren nur als Idee, als Vision für die Mobilität der Zukunft in der neuen Strassenverkehrshalle im Verkehrshaus der Schweiz. Die Themeninsel «Visionen im Wandel» wirft innerhalb der neuen Ausstellung die Fragen auf, wie Autos morgen aussehen und wie wir uns künftig in unserem Alltag bewegen werden.
Bordcomputer statt Steuerrad?
Obwohl es dem Museum nicht darum geht, fixe Ideen der künftigen Mobilität zu präsentieren, kann sich der Kurator This Oberhänsli vorstellen, dass Computertechnologien die Entwicklung von Autos in Zukunft noch stärker prägen werden: «Während 1953 90 Prozent aller Autounfälle technischer Natur waren, sind heute 90 Prozent auf menschliches Versagen zurückzuführen. Es stellt sich deshalb ernsthaft die Frage, ob Autos in Zukunft vollständig von Bordcomputern gesteuert werden sollen.» Wissenschaftler haben bereits 1993 festgestellt, dass es zur Bewältigung des Grossstadtverkehrs mehr Kompetenz benötigt als bei 90 % aller Arbeitsplätze. Das Fahren des Fahrzeuges ist sehr schwierig geworden, wohingegen das Bedienen der Maschine weitestgehend vereinfacht wurde
Mit einem Spiel lernen die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung die Fähigkeiten eines Bordcomputers kennen. Per Joystick müssen sie eine Kugel viermal einer Strasse entlang und um Hindernisse herum steuern. Auf der einfachsten Route ist die menschliche Hand sehr effizient. Doch mit zunehmender Schwierigkeit wird der Bordcomputer, der die zu bewältigenden Strecken stets in Echtzeit berechnet, immer schneller.
Erheiternde Meilensteine
Ergänzt wird der Blick in die Zukunft durch einen Zeitstrahl, der wichtige Momente der Verkehrsgeschichte dokumentiert. Die Zeitreise reicht von der Erfindung des Scheibenrads vor 7000 Jahren über die erste Fahrt von Karl Freiherr von Drais auf einem Laufrad im Jahr 1817 und die Einführung der Sicherheitsgurte 1959 bis hin zur Ankündigung des indischen Unternehmens Tata im letzten Jahr, mit dem Nano ein Auto für lediglich 100000 Rupien (zirka 2500 Franken) herzustellen. Darunter gibt es auch aus heutiger Sicht erheiternde Meilensteine wie den Red Flag Act von 1865 in Grossbritannien. Ihm zufolge musste jedem motorisierten Fahrzeug ein Betriebsmann mit roter Flagge vorausgehen. Oder die Aufhebung des allgemeinen Autofahrverbots im Kanton Graubünden im Jahr 1925.
Weitere Themeninseln vermitteln in eindrücklicher Weise, wie sich eine Kollision mit 13 km/h anfühlt, wieso sich in einem modernen Auto bis zu 230 elektronische Sensoren befinden oder wie stark das Herz eines Autorennfahrers auf der Formel-1-Strecke in Valencia pocht.
Autovorführung per Knopfdruck
Unübersehbar in der Strassenverkehrshalle steht das Schaulager. Über die gesamte vordere Gebäudewand verteilt werden 42 Fahrzeuge gezeigt. Von der Kutsche über das Fahrrad bis hin zum Automobil. Von 1860 bis 2005. Über eine roten Signalknopf stimmen die Besuchenden in einer kleinen Arena darüber ab, welches Fahrzeug per Roboter aus dem Hochregallager geholt, in unmittelbare Betrachungsnähe und auf einer Drehscheibe mit Hilfe modernster Multimedietechnik präsentiert werden soll. Ein veritables Autotheater.
Maus oder Wildsau
Und wer inmitten dieser automobilen Juwelen – umgeben von Verkehrspionieren und ständigen Motorengeräuschen – schliesslich herausfinden möchte, wie es um das eigene Fahrverhalten steht, kann sich entweder an eine Spielkonsole setzen oder noch besser einem Persönlichkeitstest unterziehen. Das Resultat ist ein Vergleich mit der Tierwelt Die Skala reicht vom unsicheren Wenigfahrer (verkörpert durch eine Maus) über den Autofan in Form eines Stiers bis hin zum risikofreudigen Spassfahrer, der Wildsau.
Verkehrshaus der Schweiz
Das Verkehrshaus der Schweiz steht in Luzern und wurde 1959 von Alfred Waldis gegründet. Seine ursprüngliche Aufgabe bestand darin, das Verständnis für den Verkehr zu fördern. Inzwischen gibt es zehnmal Mal mehr Autos auf unseren Strassen und weltweit hat sich der Flugverkehr von 95 Millionen Passagieren pro Jahr auf 3 Milliarden ausgedehnt. Diesen einschneidenden Veränderungen trägt das Museum mit einer ständigen Anpassung seiner Ausstellungen Rechnung. Mit jährlich über 800000 Besucherinnen und Besuchern ist es das beliebteste Museum in der Schweiz. Die Credit Suisse Foundation hat die Themeninsel «Visionen im Wandel» mit einem Betrag von 500000 Franken unterstützt. Für Janine Händel, Leiterin der Credit Suisse Foundation, passt diese Thematik sehr gut zu Credit Suisse: «Der Blick in die Zukunft ist für eine Bank sehr wichtig. Auch unser Gründer Alfred Escher hatte damals mit der Idee des Gotthardtunnels eine grosse Vision für die Mobilität von morgen.»
www.verkehrshaus.ch
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