Fingerspitzengefühl
09.06.2009 | Porträt | Holz, Lauerz, Musik, Schreiner, Schwyz, Tradition, Volksmusik, VSSM
Obwohl Kari Auf der Maur in einer musikalischen Bauernfamilie in Ingenbohl aufgewachsen ist, hat er erst im Alter von 19 Jahren und nur durch einen Zufall selber zum ersten Mal zur Bassgeige gegriffen. Selbst seine beiden älteren Schwestern, die Schwyzer Zither und Schwyzerörgeli spielten, konnten ihn in seiner Jugendzeit nicht für ein Instrument begeistern.
Viel lieber widmete er sich dem Geisslechlepfä, einer Tradition, die in Schwyz und einigen umliegenden Gemeinden Ende der 60er Jahre wiederentdeckt worden ist: «Am Priis-Chlepfä werden jedes Jahr am Dreikönigstag die Schwyzer Meister im Chrüzlistreich erkoren.» Verwendet wird eine Fuhrmannsgeissel, eigentlich eine Peitsche, aus Surgelholz. Er hat insgesamt 20 Mal teilgenommen und als Schüler zweimal hintereinander gewonnen. Als junger Geisslechlepfer war er ein gefragter Mann: «Zusammen mit Trachtengruppen konnte ich einige Reisen ins Ausland unternehmen. Zum Beispiel nach Sardinien, Holland, Deutschland und Schweden.»
Und genau so fand er auch zu seinem Instrument: «An einem Fest der Trachtengruppe Buochs erzählte ich ein paar Freunden, dass ich Bassgeige lernen würde, wenn ich mich für ein Instrument entscheiden müsste. Weil die in unserer Familie noch fehlte. Und prompt drückte mir ein Bekannter eine Bassgeige in die Hand.» Schon bald folgten die ersten Auftritte und schliesslich das «Echo vom Geissläzwick», ein Trio zusammen mit seinem Bruder Fredy Auf der Maur und Sascha Meyer (beide Handorgel und Schwyzerörgeli). Ihre Spezialität ist der Illgauer Stil mit seinen urchigen und gut tanzbaren Melodien. Pro Jahr spielen sie zwanzig bis dreissig Mal an Festen, Hochzeiten und Konzerten. Für den 35-jährigen Schwyzer bewegen sie sich damit am oberen Limit: «Mehr Auftritte wären nicht möglich, sonst würde anderes darunter leiden.»
Zum Beispiel das Drechseln. Besonders im Winterhalbjahr ist er nämlich oft in der kleinen Werkstatt seines Eigenheims anzutreffen, an herrlicher Lage oberhalb des Lauerzersees. Er stellt Schmuck, Schüsseln und Vasen aus vorwiegend einheimischen Hölzern her: «Meistens kann ich den Leuten sogar ganz genau sagen, wo das Holz gewachsen ist. Diesen starken Bezug zur Natur und zur Region schätzen sie sehr.» Häufig lässt er zudem gewisse rohe Elemente des Baums bewusst stehen. Zum Beispiel die Rinde als Schalenrand oder ein Ast als markiges Element der Oberfläche.
Er selber hat seine Vorliebe zum Holz und zum Handwerk bereits früh entdeckt: «Mein Vater hat schon immer alles selber repariert. Und hat das auch uns Kindern gezeigt. Davon profitiere ich noch heute.»
Kari Auf der Maur schnupperte zuerst Zimmermann, entschied sich dann aber für die Schreinerlehre: «Der Schreinerberuf verlangt etwas mehr Fingerspitzengefühl. Das hat für mich den Ausschlag gegeben.» Er durfte im Schnupperbetrieb, einer Küchenbaufirma in Ibach, gleich mitanpacken und arbeitet auch heute noch dort. Nächstes Jahr feiert er da bereits sein 20-jähriges Jubiläum: «Ich hatte bisher das Glück, dass ich mich innerhalb dieser Firma immer wieder weiterentwickeln konnte. Vom Schreiner über Maschinist bis hin zum Arbeitsvorbereiter. So gab es gar nie einen Grund die Stelle zu wechseln.»
Quelle: Dieser Artikel ist ursprünglich in der Schreinerzeitung erschienen.
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