Das Instrument stets mit dabei

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«Z’oberscht ufem Bärgspitz Stei uf Stei, bi Rägäwätter und bi Sunnä, da staht äs gäbigs Manndli ohni Bei, isch z’friedä ohni Guät und Gäld.» Was André von Moos in der ersten Strophe seiner bekanntesten Komposition «Steimanndli-Juiz» beschreibt, zeigt, was ihm persönlich wichtig ist:

die Nähe zur Natur, die Bescheidenheit und auch das Entdecken und Schätzen von kleinen Dingen wie eben einer Steinfigur auf einem Berggipfel. Der 52-Jährige Dirigent des Jodlerklubs Sarnen hat zudem eine klare Vorstellung von der Sprache eines guten Jodellieds: «Sie muss zeitlos sein, denn ein Lied soll zu jeder Zeit gesungen werden können. Der Text darf zwar nachdenklich, nicht aber belehrend und nicht allzu sozialkritisch sein.» Gleichzeitig wehrt er sich jedoch gegen den Vorwurf, die Volksmusik diene der Flucht vor dem Alltag in die heile Welt einer vergangenen Zeit: «Früher entsprach das Landwirtschaftliche tatsächlich der Realität vieler Menschen. Dem ist inzwischen nicht mehr so, entsprechend haben sich auch die Inhalte von Jodelliedern entwickelt. Heute geht es mehr um die Berge, das Wandern oder allgemein die Natur. Und das sind ja sehr aktuelle Themen.»

Aufgewachsen ist André von Moos in Sachseln, wo er auch noch heute zusammen mit seiner Frau Rita lebt. In einem neuen Minergiehaus aus Holzelementen, verwöhnt von einem prächtigen Blick auf den Sarnersee und die Pilatuskette. Zum Jodeln hat er eher spät gefunden. Erst im Alter von 25 Jahren und zufällig durch einen Arbeitskollegen. Doch von diesem Moment an ist die Musik für ihn immer wichtiger geworden. Er hat sich das Spiel mit Klavier, Alphorn, Waldhorn und Gitarre weitgehend selber beigebracht. Trotz dieser vielfältigen Begabung mag er das Jodeln auch aus praktischem Grund nach wie vor am besten: «Als Jodler habe ich das Instrument stets mit dabei. Es kommt oft vor, dass wir mit unserem Klub in einer Beiz spontan zu jodeln beginnen. Dazu braucht es keine zusätzliche Technik, nur unsere Stimmen.»

Stark verbunden mit der Natur ist André von Moos nicht nur musikalisch, sondern auch beruflich. Als eidg. diplomierter Förster und Mitarbeiter bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern kümmert er sich um rechtliche Fragen der Waldnutzung: «Wir sorgen dafür, dass das öffentliche Interesse am Wald gewahrt wird.» Selbst in seiner Freizeit verbringt er viel Zeit zwischen Laub- und Nadelbäumen. Ungefähr jeden zweiten Samstag pflegt er ein 50 Aren grosses Stück Wald, wo er pro Jahr 20 Ster Holz schlägt und von Hand einen 150 Meter langen Steilhang hinaufträgt. Für ihn ein gesunder Ausgleich zur Büroarbeit und eine Inspirationsquelle für neue Kompositionen.

Seit letztem Sommer ist der ehemalige Obwaldner CVP-Kantonsrat in Sachseln auch noch stellvertretender Friedensrichter. Diese Funktion nimmt er sehr gerne wahr: «Ich hätte nicht gedacht, dass ich in dieser Rolle tatsächlich zwischen den Parteien vermitteln kann und sie nicht bereits zum Vorneherein auf ihre Positionen fixiert sind.»

Wann immer André von Moos von seinen Tätigkeiten erzählt, ist eine ansteckende Begeisterung spürbar, noch mehr aber eine grosse Bescheidenheit, wie sie unter Jodlern üblich ist. Und wie es auch die letzten Zeilen seines Steinmanndli-Juiz beschreiben: «Z’oberscht ufem Bärgspitz Stei uf Stei, g’sehd äs uf alli Lyt hiä unnä, cha läbä ohni Hei, äs g’heerd ihm doch diä Wält!»

Quelle: Dieser Artikel ist ursprünglich in der Schreinerzeitung erschienen.

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