Die Musik soll Hobby bleiben
28.08.2008 | Porträt | Hergiswil, Holz, Musik, Nidwalden, Schreiner, Volksmusik«Eigentlich war unsere erste CD nur als Erinnerungsstück gedacht. Zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit als Lopper-Örgeler», sagt Regula Durrer bescheiden und schmunzelt. Zusammen mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Astrid und drei weiteren Kolleginnen macht sie seit acht Jahren Volksmusik.
Entstanden ist die Formation aus einem Ensemble der Musikschule Hergiswil am Vierwaldstättersee. Als die Gruppe 2004 nicht mehr recht wusste, wie es musikalisch weitergehen soll, wollten die Musikantinnen sich mit einem eigenen Album ein Andenken schenken. Doch dann ging es erst richtig los.
Plötzlich wollte man sie überall spielen hören. Sie traten mehrmals im Schweizer Fernsehen auf und gewannen 2006 den Kleinen Prix Walo. Inzwischen hat sich die Anzahl Auftritte pro Jahr bei 50 eingependelt. Mehr wollen sie nicht, auch wenn Regula fast jeden Tag eine Anfrage erhält. «Wir wählen inzwischen sehr zurückhaltend aus und treten nur noch da auf, wo es uns auch wirklich Spass macht.» Zweimal sogar hätten sie die Möglichkeit gehabt, eine professionelle Musikkarriere zu starten. Doch beide Male haben sie die verlockenden Angebote von Musikagenturen abgelehnt. «Wir spielen aus purer Freude und üben einmal pro Woche.» So bringt Regula die Musik zusammen mit ihrem Beruf als Möbelschreinerin in der Klosterschreinerei Engelberg und ihrer Weiterbildung zur Möbelrestauratorin unter einen Hut.
Einen besonderen Auftritt hatten die Lopper-Örgeler während der Olympischen Spiele in Peking. Im House of Switzerland spielten sie an den Medaillenfeiern. Regula nahm dafür extra zwei Wochen unbezahlten Urlaub und zwei ihrer Kolleginnen, angehende Pflegefachfrauen, mussten ihre Abschlussprüfungen verschieben. Doch gelohnt hat es sich, da gibt es für Regula keine Zweifel: «Es war ein tolles Erlebnis, dort zu spielen und Roger Federer sowie andere Sportlerinnen und Sportler kennen zu lernen.»
Wieso sie in so kurzer Zeit so erfolgreich geworden sind, kann sie sich nur halbwegs erklären: «Da wir weder jodeln noch Grimassen schneiden können, setzen wir ganz bewusst auf die Instrumente und versuchen einfach, möglichst gut miteinander zu spielen. Zudem kommt uns sicher zu gut, dass wir fünf junge Frauen sind. Eine solche Formation ist etwas Besonderes.» Ab und zu sehen sie sich deshalb auch mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie nur wegen ihrer reinen Frauenformation so beliebt seien. Doch die 22-Jährige weiss, dass das nicht stimmt: «Wir sind uns selber gegenüber sehr kritisch. Würde es musikalisch nicht stimmen, hätten wir ganz sicher nicht all die Auftritte gekriegt.»
Nicht immer war die Begeisterung in ihrem Umfeld so gross wie heute. Regula erinnert sich, wie sie während der Schulzeit immer wieder mal ausgelacht worden ist: «Ältere Leute hatten schon immer Freude an unserer Musik, aber die Gleichaltrigen natürlich nicht. Doch viele von denen kommen heute zu uns und freuen sich, dass wir das durchgezogen haben. Das freut mich jeweils.»
Regula verneint, dass sie für die Zukunft mit den Lopper-Örgeler weitere grosse Ziele ansteuert. Doch so ganz glaubt man es ihr nicht. Schliesslich haben die lebhaften jungen Frauen schon zweimal ein „Abschlussalbum“ produziert. Und dann kam alles ganz anders.
Quelle: Dieser Artikel ist ursprünglich in der Schreinerzeitung erschienen.
Ähnliche News
Noch keine Kommentare.